Récapitulatif
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Examen : Baccalauréat général |
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Série : Scientifique |
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Matière : LV1 Allemand | ||
Sujet de lv1 allemand 2009
Sujet 1
I. TEXT A
Fussballtraining in Kreuzberg¹. Marwin rennt. Die Jungs schreien über den Platz. Türkische Worte
vermischen sich mit deutschen: "Super, Marwin!" ruft einer und klopft ihm auf die Schulter.
Marwin ist 10, gross für sein Alter, sehr blond, wohnt in Kreuzberg und ist in seiner Mannschaft beim
Club Türkiyemspor der einzige mit deutschen Eltern. Genau wie in seiner Schulklasse und in seinem
Freundeskreis. Probleme hat er deshalb keine, im Gegenteil. "Wir haben uns zu Beginn schon Sorgen
gemacht", sagt sein Vater. "aber dann sind wir da offensiv rangegangen. Hier wird sowieso überall
Türkisch gesprochen, da dachten wir: wenn schon, dann richtig."
Mittlerweile sehen seine Eltern die türkische Kultur und Sprache als Bereicherung. Schon in der Kita²
hatte Marwin eine Erzieherin, die mit ihm Türkisch gesungen und gezählt hat. Seit der ersten Klasse ist er
auf einer zweisprachigen Schule. Dort hat er Türkischunterricht und einen Teil der Sachfächer auf
Türkisch.
Die Aziz-Nesin-Schule ist eine staatliche Europaschule. Der Unterrichtsstoff richtet sich nach dem
normalen Berliner Rahmenlehrplan, mit der Ausnahme³, dass auf Türkisch und Deutsch unterrichtet wird.
Genau davon werden viele deutsche Eltern abgeschreckt. Sie lassen ihre Kinder alle möglichen Sprachen
lernen - Französisch, Spanisch oder Chinesisch. Aber Türkisch? In Deutschland lernt fast niemand
Türkisch. Und auch zum Austausehjahr gehen Schüler eher nach Norwegen oder Peru als in die Türkei.
In Marwins Klasse haben alle bis auf ihn mindestens ein türkisches Elternteil, ihre Sprachkenntnisse sind
trotzdem sehr unterschiedlich. Manche waschen bei ihrer deutschen Mutter auf oder haben türkische
Eltern, die sehr gut Deutsch sprechen. Andere kommen aus türkisch-polnischen oder türkisch-russischen
Familien und lernen Deutsch als dritte Sprache. Je nach Muttersprache werden sie besonders gefördert⁴.
"Die Kinder sollen sich auf das Deutsche einlassen⁵ können, ohne ihre eigene Herkunft leugnen⁶ zu
Klassenlehrerin. Marwin sitzt darum neben Bilge - sie haben ähnliche Stärken und Schwächen in der
jeweils anderen Sprache. [...]
Ob seine Familie anders ist als die Familien seiner Freunde? Marwin überlegt lange. Einen Unterschied
sieht er nicht - ausser, dass die anderen besser Türkisch sprechen, natürlich.
Source: Nacht Katrin Zeug, SPIEGEL ONLINE, 25. April 2008
TEXT B
Iris Alanyali hat eine deutsche Mutter und lebt in Deutschland. Sie möchte die türkische Sprache besser
lernen und macht deshalb einen Sprachkurs in Istanbul. Dort trifft sie viele deutsche Frauen, die einen
türkischen Partner haben.
Die Studentenschaft bestand zu 95 Prozent aus Frauen, die mich grösstenteils an die Mitarbeiterinnen des
Berliner Bioladens erinnerten, wo ich manchmal Äpfel holte. Abends pflegen⁷ solche Frauen auf
Multikulti-Konzerte zu gehen und entweder Chilenen oder Türken kennen zu lernen. Sie lesen
aufmerksam die Reportagen über binationale Ehen in der "Brigitte"⁸ und nehmen ihre Beziehung sehr
ernst, weshalb sie früher oder später auch die Sprache ihres Partners lernen wollen. Weil sie schon
mehrmals mit him in seinem Heimatland waren und seine Familie so reizend und gastfreundlich, eben "so
südländisch!" ist.
Also stand ich in den Pausen vor dem Schulgebäude, während die anderen ihre Erfahrung im Umgang mit
türkischen Verwandten autauschten. "Am Anfang war es schon ein bisschen schwierig", sagte Pia. "Das
sind eben ganz andere Werte", sagte Sabine, "Wenn die Familie so ein ungeheuer starkes Netwerk
bildet." - "Für meinen Freund war das ja anfangs auch ganz schön kompliziert, so zwischen mienen
Ansprüchen⁹ und seiner Erziehung zu stehen", sagte Tina. Dann sahen sie mich an. "Ich habe keinen
türkischen Freund", sagte ich kleinlaut¹⁰. "Aber mein Vater ist Yürke." [...]
Unten im Haus gab es einen kleinen Kiosk, wo der Hausmeister heissen Apfeltee verkaufte, um mit den
Europäerinnen zu flirten. Aber nachdem geklärt war, dass mein Vater wie er aus Izmir stammte, bekam
ich meinen Apfeltee zum halben Preis, und wir lästerten¹¹ über die deutschen Studentinnen, wenn sie
ausser Hörweite waren.
Source: Nach Iris Alanyali, Die blaue Reise, 2006
¹ Kreuzberg ist ein Viertel in Berlin mit einem sehr grossen Anteil türkischer Bewohner.
² die Kita = der Kindergarten
³ die Ausnahme: l'exception
⁴ jn fördem: encourager, pousser qn
⁵ sich auf etwas einlassen = etwas akzeptieren, sich für etwas öffnen
⁶ etwas leugnen: renier qc
⁷ etwas zu tun pflegen = etwas oft, gern tun
⁸ Brigitte = eine deutsche Frauenzeitschrift
⁹ der Anspruch: l'exigence
¹⁰ kleinlaut: d'une petite voix
¹¹ über jn lästen: dire du mal de qn
COMPREHENSION
I. Wo spielt jeder Text? Notieren Sie die richtige Antwort.
Text A : In Istanbul oder in Berlin ?
Text B : In Istanbul oder in Berlin ?


